Was ich von einem italienischen Seminarteilnehmer über Teamentwicklung an der Kaffeemaschine gelernt habe
Never skip a coffee break!
Wir waren mitten in der Diskussion über eine effiziente Tagesplanung, als ich in einem internationalen Zeitmanagement-Seminar eine meiner Lieblingsfragen stellte. „Welche Regel trägt in Ihrem Team am meisten zur Effizienz bei?“ Die Antwort des italienischen Teilnehmers, der als Ingenieur in Rom arbeitet, ließ nicht lange auf sich warten: „Never skip a coffee break!“
Diese Antwort machte mich für einen Moment stutzig. Hatte ich mich etwa verhört? Was hatte eine Kaffeepause denn mit Effizienz zu tun?
Doch mein Gesprächspartner erklärte unbeirrt, dass diese Regel, niemals eine Kaffeepause auszulassen, in seinem Büro schon lange gelte. Sie sorge dafür, dass alle Kolleginnen und Kollegen auf dem neuesten Stand seien. Auch technische Probleme würden oft schneller und besser gelöst, wenn man im Team ein kurzes Brainstorming an der Kaffeemaschine abhalte.
Er betonte auch, wie sehr diese kurzen Gespräche die Stimmung insgesamt heben, und das tue dem Team nach den Corona-Jahren sehr gut.
Da wurde mir der Zusammenhang klar. Die informellen Treffen machten lange Memos, zeitraubende Meetings und teure Kreativsessions an ausgefallenen Orten überflüssig. Gleichzeitig stärkten die gemeinsamen Kaffeepausen den persönlichen Zusammenhalt im Ingenieurteam. Wenn man bei einem technischen Problem nicht weiterkommt, sollte man einfach mal die Kollegen fragen. Einfach gesagt, aber schwer umzusetzen!
Denn die Kollegen müssen auch erreichbar sein und dürfen nicht in einem Meeting-Marathon gefangen sein. Deshalb gilt die Regel, dass sich alle Teammitglieder zu den Kaffeepausen treffen und niemand fehlt, damit die Kommunikationsintensität hoch bleibt.
Für den Erfolg dieser Teamregel ist jedoch ein hohes Maß an psychologischer Sicherheit im Team Voraussetzung. Zu diesem Ergebnis kommen die beiden amerikanischen Wissenschaftler Foulk und Venkatesh in einer Studie über den Zusammenhang zwischen kreativer Problemlösung und Teamkohäsion. Nur wenn man kein negatives Feedback von Kollegen befürchten muss, wenn man Hilfe bei der Lösungsfindung benötigt, kann eine fruchtbare Diskussion entstehen. Fühlt man sich psychologisch sicher, kann man auf den Vorschlägen der anderen aufbauen und kommt so viel weiter als allein.
Die beiden Wissenschaftler haben in ihren Untersuchungen ebenfalls herausgefunden, dass dieser Zusammenhang auch umgekehrt gilt. Wenn ich mit Kollegen gemeinsam an kreativen Problemlösungen arbeite – sei es in einem Kreativmeeting oder beim Gespräch an der Kaffeemaschine –, verändert sich die Beziehung zueinander positiv. Der Blick auf die Kompetenzen und Fähigkeiten des anderen weitet sich. Die römischen Ingenieure wussten das schon lange.
Und ich? Ich habe wieder etwas über effiziente Kommunikation im Team gelernt. Eine offene Kommunikation unter Kolleginnen und Kollegen, verbunden mit einer (italienischen) Kaffeemaschine, kann so manches langatmige Meeting ersetzen. Das spart wirklich Zeit! Und sie sorgt ganz nebenbei für eine gute Stimmung im Team.
Wenn ich wieder einmal allein am Schreibtisch sitze und über einen Seminarablauf brüte, denke ich jetzt oft: „Wäre ich doch nur in Rom – wenigstens für eine Kaffeepause!“
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen heute eine Kaffeepause mit aufgeschlossenen Kolleginnen und Kollegen. Genießen Sie sie, wo auch immer auf dieser Welt Sie sie verbringen.
Manchmal reicht eine Kaffeepause
Starten Sie doch gleich morgen. Verabreden Sie eine feste gemeinsame Kaffeepause – nicht als Pflichttermin, sondern als bewusst geschützten Raum für Austausch. Ohne Agenda. Ohne Präsentation. Ohne Protokoll.
Wann haben Sie zuletzt eine gute Idee an der Kaffeemaschine entwickelt?
Ihre
Stefanie Hecker
Februar 2026

Quelle: Trevor A. Foulk, Vijaya Venkataramani: How Creative Collaboration Can Strengthen Relationships. In: Harvard Business Review, November 08, 2023. https://hbr.org/2023/11/research-how-creative-collaboration-can-strengthen-relationships

